Refugees welcome – die nachhaltige Strategie gegen den Terror

Terroranschläge in Paris, mitten in Europa – da bekommt man Angst. Da kann auch in Deutschland, dem Land der Willkommenskultur, die Stimmung gegenüber den Geflüchteten weiter kippen. Der Gedanke, Europa nun abzuschotten, liegt nahe – warum sollte man sich womögliche Gefahren ins Land holen? Auch Frankreichs Strategie, umso härter gegen die Terroristen zurückzuschlagen, ist nur zu verständlich. Um einer stetigen Ausbreitung der Terroristen entgegenzuwirken, scheinen mir militärische Einsätze gegen sie kaum vermeidbar, wenngleich mir eine vernünftigere Lösung lieber wäre – die aber ein Nachgeben der terroristischen Kämpfer zur Voraussetzung haben müsste.
Als nachhaltigere Strategie muss man aber die gegenwärtige deutsche Politik der Aufnahme der hunderttausenden von Flüchtlingen ansehen. Wir geben den zu uns Geflohenen eine Perspektive, wir lassen sie an unserem Wohlstand teilhaben. Gerade Perspektivlosigkeit und Armut sind der Nährboden für Terrorismus, den wir so zu einem zugegeben immer noch kleinen Teil beseitigen. Wer hier in unserem Land willkommen geheißen wird, dem eine Hand gegeben wird und Perspektiven auf ein besseres Leben hat, wer satt und in Sicherheit ist, wird sich schon gleich weniger radikalisieren lassen. Wenn auch noch die Frau und die Familie hier sind, sinkt die Radikalisierungstendenz noch weiter. Es ist eine Binsenweisheit, dass ungebundene junge Männer im Durchschnitt die meisten Verbrechen begehen, man muss noch nicht einmal in die Kriminalitätsstatistiken blicken – wir sind also gut damit beraten, Familien als ganzes aufzunehmen (eine Frauenquote von 50% unter den Aufgenommenen ist wohl weniger praktikabel, wenngleich in der Theorie wünschenswert). Unsere europäischen Nachbarländer sind jetzt umso mehr gefordert, dieser nachhaltigen Strategie des Willkommens und der Teilhabe am westlichen Lebensstil zu folgen. Das würde, im Gegensatz zu den vielen hübsch in der Trikolore beleuchteten Gebäuden, mehr bringen (man könnte hoffen, die Gebäude sensibilisieren dazu).
Ein Blick nach Frankreich lehrt uns aber auch, dass die Probleme mit der bloßen Aufnahme der Geflohenen in ein anderes Land keineswegs gelöst sind. In Parallelgesellschaften gescheiterter und scheiternder Zuwanderer, die nur allzu zutreffend als Ghettos bezeichnet werden müssen, hat man eben gerade den Nährboden von Armut und Perspektivlosigkeit – mitursächlich für die Ereignisse des vergangenen Freitag – im eigenen Land entstehen lassen. Wir tun uns also gut daran, die zu uns Geflohenen so gut wie irgend möglich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Sprachkurse (vielleicht auch Arabisch für Deutsche), Ausbildungsmöglichkeiten und ein frühzeitiger Einstieg in den beruflichen Alltag sind da unerlässlich. Der Staat muss den Kontakt zwischen deutscher und ausländischer Bevölkerung zum Beispiel durch steuerliche Gratifikationen für ehrenamtlich Tätige oder Medienkampagnen begünstigen. Auch eine Verteilung der neuen Mitbürger auf das gesamte Land, gerade auch aufs Land und in kleinere Städte, muss zur Vermeidung der Clusterbildung umgesetzt werden. Es ist aber auch klar, dass dies alles nur bis zu einer Obergrenze von wohl einigen Millionen, aber sicherlich nicht acht Millionen oder mehr funktionieren wird. Man muss nicht bis zur Selbstaufgabe helfen, es nutzt keinem, wenn wir unsere eigene Stabilität in Gefahr bringen, wenn gewisserweise die Löschdecke selbst Feuer fängt. Selbstverständlich ist der Westen dann aber immer noch in der Verantwortung, wieder ein sicheres Leben in den Ursprungsländern zu ermöglichen, welches in meinen Augen zumindest idealerweise dem Leben in einer anderen Kultur übergeordnet ist.
Sicherheit wollen wir aber auch vor Ort. Es ist nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, das unter den hunderttausenden eingereisten Flüchtlingen auch potentielle Terroristen sind (so wie sich unter der gleichen Menge Deutscher auch potentielle Kindsmissbraucher befänden). Es war ein großer Fehler, die Grenzen nicht sofort zu schließen und die Flüchtlinge nur nach Kontrolle und Registrierung zu uns zu lassen. Zumindest für die Zukunft ist ein solches Vorgehen meiner Meinung nach kein Ausdruck einer rechten Gesinnung oder Absonderungspolitik, sondern ein Gebot der zu garantierenden inneren Sicherheit. Dem Fehler der offenen Grenzen muss man nun mit zusätzlichen Aufwendungen der Geheimdienste und der Polizei und Präventionsmaßnahmen begegnen.
Noch einmal aber: die gegenwärtige deutsche Politik ist die richtige. Wir bekämpfen den Terror so nicht direkt, wir lindern ihn. In einer unvorstellbaren Zeit des Wohlstands und des Friedens in Deutschland, in der – mit Verlaub – der offenbar größte politische Streit sich an der bloßen Bezeichnung der Ehe von Homosexuellen als ebensolche oder als Lebenspartnerschaft entfachten, während jenseits unseres, aus immer weiterer Ferne sichtbaren Elfenbeinturmes Krieg, Perspektivlosigkeit und Armut herrschen, ist es schlichtweg unsere menschliche Pflicht, uns dieser Probleme anzunehmen. Der Vorwurf der Terroristen, wir seien eine morallose Gesellschaft, ist so schnell entkräftet.