Grenzwertige Gedanken

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Es gibt dennoch gewisse Grenzen.

Die Flüchtlingsthematik heizt die Geister hierzulande auf, keine Frage. Offene Grenzen, grenzenlose Gutmenschen, Obergrenzen, sexuelle Grenzüberschreitungen, Grenzen der Aufnahmebereitschaft, Obergrenzen und so weiter. Neben all diesen unzähligen, immer wiederkehrenden Themen und Argumenten hier mal noch ein paar alternative Interpretationen und Gedanken. Nicht alles hundertprozent ernst, eher ziemlich grenzwertig.

War es einfach der Sommer? Der Sommer 2015, ein Sommer wie er früher immer war – ja, noch darüber hinaus. 38 ° im Schatten, tagsüber plantschen, abends Grillparty mit Sangria.  Da können doch alle mitmachen! „Hey, ihr könnt alle kommen, wir haben uns nicht so, kommt, legt euch zu uns in die Sonne! Wir werden nett empfangen in Italien oder auf Mallorca, und so seid ihr bei uns willkommen! Ob wir jetzt ein paar mehr sind, ist doch egal, zur Not schlaft ihr halt nackt im Heu! Hey, wir hängen euch keine Blumenkränze um, wie auf Hawaii, dafür bekommt ihr alle unsere Altkleider, wir wollten in den Ferien eh mal ausmisten! Willkommen bei uns!“
Haben die 38 ° unser Entscheidungsvermögen beeinflusst?

Es geht auf den Winter zu am Ende des Jahres 2015 – düster, nass-kalt, typisch deutsch. Schlechte Laune, die Leute gehen in Anoraks eingemummt missmutigen Blickes aneinander vorbei durch den schwarzen Schneematsch auf den Bürgersteigen. Nur so weit aus dem trauten Heim wie nötig! Nieselregen, überall Pfützen, zu viel Feinstaub aus unseren Autos – und die Partygäste aus dem Sommer sind immer noch in unseren Turnhallen. War es die triste Zeit, die die Stimmung kippen ließ?

Waren es die Medien und der Mainstream der Politcal Correctness auf Facebook, die Frau Merkel erpresst haben, die Grenzen zu öffnen? Man erinnere sich an das berühmte Video „Merkel und das weinende Flüchtlingsmädchen“. Da sagt Merkel noch ganz klar, „wenn wir jetzt sagen, ihr könnt alle kommen, […] das können wir auch nicht schaffen.“ Ja, genau, da schon eine Kombination der Wörter „wir“, „schaffen“ und „das“, schon Wochen vor womöglich dem Auspruch ihrer Kanzlerschaft schlechthin, jetzt schon legendär, berühmt-berüchtigt. Furchtbar, wie kann man nur so hart zu einem armen Mädchen sein, so sind wir Deutschen doch nicht! Wie wurde Fr. Merkel gescholten. „Okay, die Bevölkerung will es wohl anders,“, das die Erkenntnis der Kanzlerin, „die will die Flüchtlinge aufnehmen“. Ist es eine Art Rache, jetzt trotzdem knallhart die Grenzen offenzuhalten? – „Ihr wolltet es so, ihr unlogisches Volk, jetzt sollt es ihr es haben!“

War die Sichtweise der Medien im Sommer nicht Ausdruck der Mehrheitsmeinung? Kann ein Kanzler oder eine Kanzlerin in einer Demokratie, zugegeben immer zeitversetzt, überhaupt mehr als die Mehrheitsmeinung wiedergeben? Ist es nicht blauäugig vom Volk selbst gewesen, nur brave Flüchtlingsmädchen zu erwarten, um dann durch manch tatsächlich Angekommenen ebenjene jungen Mädchen in Gefahr zu wissen? Ist es nicht umgekehrt starrsinnige Paragrafenreiterei, allen gleichberechtigt Schutz zukommenzulassen? Sollten wir nicht intuitiv nur die armen Kinder und Mütter aufnehmen und die nordafrikanisch und arabisch aussehenden Testosteron-Zombies sich gegenseitig in die Luft sprengen lassen? Ist uns überhaupt bewusst, dass wir menschlich denken, aber unser Staat einen Computer aus Paragrafen ist, der es verlangt, zwischen armen Mädchen und unbeliebten Rabauken keinen Unterschied macht, machen darf? Wissen wir, dass so eine Logik durchzusetzen auch Opfer im Handeln abverlangt, weil sie eben nicht unbedingt dem intuitiven Handeln entspricht?
Alleinstehenden, teils aggressiven jungen Männern, die hier „nur“ ein besseres Leben suchen, bereiten wir hier ein Nest, weil wir Mitleid mit armen Kindern haben, so verlangt es unser Staat. Konkurrenten im Kampf um die Fortpflanzung und die Ressourcen wollen wir doch eigentlich im Wettbewerb übertrumpfen, anstatt sie zu stärken! Kinder dagegen gilt es zu schützen! So will es unsere Biologie. Ist uns bewusst, dass der Rechtsstaat über unsere Biologie hinausgeht? Ist uns und auch den Neuen diese Errungenschaft bewusst?

War es der Feminismus, war es die Meinung der emanzipierten Frauen, die im Vergleich zu anderen Zeiten und Kulturen bei uns gleichermaßen Berücksichtigung findet? Waren es unsere Frauen, die eine Horde junger, viriler Männer nicht abhalten konnte, ja schlichtweg willkommen heißen musste? Haben Frauen, in den Medien, in der Politik, haben verweiblichte Männer, die öffentliche Meinung in diese Richtung geprägt – vielleicht ganz unbewusst? Waren weibliche Hormone am Werk, die, aufgeheizt durch den Rekordsommer, den urmännlichen Reizen unterlagen? Oder eine Art weiblicher Versogungsinstinkt für tapfere Männer? Hätte ein männlicher Kanzler da anders gehandelt als eine Kanzlerin? Ist Frau Merkel auch der Attraktion der eindringenden virilen Kraft unterlegen, in der Hitzewallung des Sommers, oder wollte sie, bekanntlich selbst kinderlos, die vielen Männer, die ihre Söhne sein könnzen, zu sich unter ihre mütterlichen Fittiche nehmen?icht unbedingt dem intuitiven Handeln entspricht?
Versucht sie diese eine Gefühlsregung ihrer Kanzlerschaft nun rückwirkend und eine bis jetzt natürlich noch durchgehaltene eiserne Prinzipientreue einer Pastorentochter zu vertuschen?

Haben die deutschen Frauen insgeheim die feminisierten deutschen Stubentiger von Männern, die in ihrer Elternzeit mit dem SUV zur Kita fahren und zu Hause auf der Krabbeldecke den Babies Brei einlöffeln, satt? Wollen sie vielleicht gar nicht immer die weiblichen Männern, die so sind, wie sie es wollen, gelüstet sie es vielleicht insgeheim nach Männern, die noch echte Kerle sind, die noch Testosteron versprühen? Fürchtet der deutsche Mann, der Christ, nicht genau deswegen den arabischen, muslimischen Mann, der es sich noch zugesteht ein Mann zu sein, sich durchzusetzen? Bewundert, beneidet er ihn nicht insgeheim sogar um sein patriarchalisches Weltbild und hofft durch die Aufnahme richtiger Männer hierzulande womöglich selbst wieder mehr Mann sein zu dürfen, auch wenn ihm natürlich verboten ist, genau solches öffentlich zu äußern?
Ist es dann nicht fast schon aberwitzig, dass die echten Kerle, denen die netten Frauen helfen wollten, jetzt zu sehr mit ihren Trieben verwurzelt sind, sodass der deutsche Stubentiger nun rechtlich und polizeilich wieder seiner Beschützerfunktion nachzukommen hat?

Sind wir nicht eigentlich doch ein bisschen Nazis, weil das ganz normal ist? Haben wir unter dem Eindruck der Bewältigung des Hitlerregimes es versäumt, ja verdammt, ein normales Bewusstsein von nationaler, kultureller und ethnischer Identität zu entwickeln? Sind wir naiv, weil wir uns alle derartige Gedanken und Gefühle, die in jedem anderen Land als vollkommen normal gelten, insbesondere bei den Geflüchteten, abtrainiert haben, da noch die kleinste Regung in diese Richtung ja schon fast ein Progrom ist? Haben wir das womöglich Gesunde mitverlernt, bei der Verdammung der größten Greueltaten der deuschen Geschichte? Birgt nicht genau dieses „Bloß nicht irgendwie rechts sein!“ – aus Furcht vor der medialen Hexenverfolgung – die Gefahr, von anderen Nationen ausgenutzt zu werden? Oder sind wir umgekehrt im 21. Jahrhundert soweit, uns als blitzender und blinkender wirtschaftlicher und moralischer Vorreiter als erstes Land über Nationalismen zu stellen und Menschen Mensch sein zu lassen, egal ob arm oder reich, weiß oder schwarz? Sind wir soweit, ein Zeichen in der Welt zu setzen – dass die Entwicklung unseres eigenen Staates und Wohlstandes vollkommen ist und wir uns nun mit voller Kraft den Problemen der Beseitigung des Leids auf der restlichen Welt widmen können?

Haben die islamistischen Terroristen, vor denen die Menschen aus dem nahen Osten zu uns fliehen und geflohen sind, nicht im Kern eigentlich Recht? Üben sie nicht, freilich mit unangemessenen Mitteln, eine vollkommen berechtigte Kritik am westlichen Wirtschafts- und Lebensstil, an der westlichen, post-religiösen Individualethik? Tragen wir denn nicht tatsächlich Schuld am Elend der vielen ärmeren Länder, in dem wir sie durch unsere eigene Profitgiert und Verschwendungssucht ausbeuten? Ist nicht unsere Moral- und Maßlosigkeit, das Prinzip der maximalen Freiheit des Einzelnen, Ursache für so vieles Elend in der Welt? Ist uns überhaupt bewusst, dass es die Schattenseiten unserer dekadenten Exzesse gibt, ja, dass es ein ständiger dekadenter Exzess ist? Ist es global betracht nicht irgendwo gut, dass wir die Konsequenzen unseres verschwenderischen und ausbeuterischen Wirtschaftssystems jetzt nicht nur in ein paar großen Kinderaugen in der UNICEF-Werbung im Fernsehen oder im Netz sehen, wo wir schnell weiterschalten oder -klicken können, sondern direkt, hier, vor der eigenen Haustür, in der eigenen Turnhalle, oder im Supermarkt damit konfrontiert sind? Stellen uns die Terroristen nicht damit die richtige Diagnose, weisen sie nicht zu Recht auf ein himmelschreiendes Unrecht hin?
Oder kann man schlichtweg nicht überall auf der Erde gleichgut leben – auf dem Nordpol oder in der Sahara lebt es sich eben auch nicht so gut und einfach wie in Mitteleuropa? Oder sind wir als Europa einfach besser als die Länder anderer Kontinente, haben wir einfach die Nase vorn, durch unsere harte und beständige Arbeit am Fortschritt, haben wir uns den höheren Standard so nicht verdient? Ist es denn unsere Aufgabe, nun für die Millarde Menschen zu sorgen, für die nicht genügend Lebensstandard da ist, die aber nunmal trotzdem, als Ergebnis einer für unsere Verhältnisse maßlosen Vermehrung, auf unserer lieben Erde leben?

Alles irgendwie ein bisschen, die Politik soll rational sein, aber doch irrationalen Menschen gerecht werden, der Mensch ist ein Tier und gleichzeitig komplex und seine komplexesten Gedankengänge können doch wieder nur Produkt billiger Triebe und klimatischer Bedingungen sein. Gut sein will der Mensch und für das Gute einstehen auch, aber anstrengend darf es dann nicht sein oder einen selbst beeinträchtigen. Der einzelne Mensch mag noch ansatzweise durchschaubar sein, aber das Wechselspiel der Menschen – das ist unvorhersehbar wie das Wetter, es sei denn man steht mit beiden Beinen auf dem gesunden Menschenverstand, dann wusste man es ja immer schon zuvor. Komplex ist also die ganze Problematik und da will man am liebsten einfache Lösungen.

Das müssen die Verantwortlichen den ganzen einfachen Leuten doch mal erklären, es ist ja auch ein Kommunikationsproblem. Dann dürfen sie wieder wählen gehen.

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Refugees welcome – die nachhaltige Strategie gegen den Terror

Terroranschläge in Paris, mitten in Europa – da bekommt man Angst. Da kann auch in Deutschland, dem Land der Willkommenskultur, die Stimmung gegenüber den Geflüchteten weiter kippen. Der Gedanke, Europa nun abzuschotten, liegt nahe – warum sollte man sich womögliche Gefahren ins Land holen? Auch Frankreichs Strategie, umso härter gegen die Terroristen zurückzuschlagen, ist nur zu verständlich. Um einer stetigen Ausbreitung der Terroristen entgegenzuwirken, scheinen mir militärische Einsätze gegen sie kaum vermeidbar, wenngleich mir eine vernünftigere Lösung lieber wäre – die aber ein Nachgeben der terroristischen Kämpfer zur Voraussetzung haben müsste.
Als nachhaltigere Strategie muss man aber die gegenwärtige deutsche Politik der Aufnahme der hunderttausenden von Flüchtlingen ansehen. Wir geben den zu uns Geflohenen eine Perspektive, wir lassen sie an unserem Wohlstand teilhaben. Gerade Perspektivlosigkeit und Armut sind der Nährboden für Terrorismus, den wir so zu einem zugegeben immer noch kleinen Teil beseitigen. Wer hier in unserem Land willkommen geheißen wird, dem eine Hand gegeben wird und Perspektiven auf ein besseres Leben hat, wer satt und in Sicherheit ist, wird sich schon gleich weniger radikalisieren lassen. Wenn auch noch die Frau und die Familie hier sind, sinkt die Radikalisierungstendenz noch weiter. Es ist eine Binsenweisheit, dass ungebundene junge Männer im Durchschnitt die meisten Verbrechen begehen, man muss noch nicht einmal in die Kriminalitätsstatistiken blicken – wir sind also gut damit beraten, Familien als ganzes aufzunehmen (eine Frauenquote von 50% unter den Aufgenommenen ist wohl weniger praktikabel, wenngleich in der Theorie wünschenswert). Unsere europäischen Nachbarländer sind jetzt umso mehr gefordert, dieser nachhaltigen Strategie des Willkommens und der Teilhabe am westlichen Lebensstil zu folgen. Das würde, im Gegensatz zu den vielen hübsch in der Trikolore beleuchteten Gebäuden, mehr bringen (man könnte hoffen, die Gebäude sensibilisieren dazu).
Ein Blick nach Frankreich lehrt uns aber auch, dass die Probleme mit der bloßen Aufnahme der Geflohenen in ein anderes Land keineswegs gelöst sind. In Parallelgesellschaften gescheiterter und scheiternder Zuwanderer, die nur allzu zutreffend als Ghettos bezeichnet werden müssen, hat man eben gerade den Nährboden von Armut und Perspektivlosigkeit – mitursächlich für die Ereignisse des vergangenen Freitag – im eigenen Land entstehen lassen. Wir tun uns also gut daran, die zu uns Geflohenen so gut wie irgend möglich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Sprachkurse (vielleicht auch Arabisch für Deutsche), Ausbildungsmöglichkeiten und ein frühzeitiger Einstieg in den beruflichen Alltag sind da unerlässlich. Der Staat muss den Kontakt zwischen deutscher und ausländischer Bevölkerung zum Beispiel durch steuerliche Gratifikationen für ehrenamtlich Tätige oder Medienkampagnen begünstigen. Auch eine Verteilung der neuen Mitbürger auf das gesamte Land, gerade auch aufs Land und in kleinere Städte, muss zur Vermeidung der Clusterbildung umgesetzt werden. Es ist aber auch klar, dass dies alles nur bis zu einer Obergrenze von wohl einigen Millionen, aber sicherlich nicht acht Millionen oder mehr funktionieren wird. Man muss nicht bis zur Selbstaufgabe helfen, es nutzt keinem, wenn wir unsere eigene Stabilität in Gefahr bringen, wenn gewisserweise die Löschdecke selbst Feuer fängt. Selbstverständlich ist der Westen dann aber immer noch in der Verantwortung, wieder ein sicheres Leben in den Ursprungsländern zu ermöglichen, welches in meinen Augen zumindest idealerweise dem Leben in einer anderen Kultur übergeordnet ist.
Sicherheit wollen wir aber auch vor Ort. Es ist nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, das unter den hunderttausenden eingereisten Flüchtlingen auch potentielle Terroristen sind (so wie sich unter der gleichen Menge Deutscher auch potentielle Kindsmissbraucher befänden). Es war ein großer Fehler, die Grenzen nicht sofort zu schließen und die Flüchtlinge nur nach Kontrolle und Registrierung zu uns zu lassen. Zumindest für die Zukunft ist ein solches Vorgehen meiner Meinung nach kein Ausdruck einer rechten Gesinnung oder Absonderungspolitik, sondern ein Gebot der zu garantierenden inneren Sicherheit. Dem Fehler der offenen Grenzen muss man nun mit zusätzlichen Aufwendungen der Geheimdienste und der Polizei und Präventionsmaßnahmen begegnen.
Noch einmal aber: die gegenwärtige deutsche Politik ist die richtige. Wir bekämpfen den Terror so nicht direkt, wir lindern ihn. In einer unvorstellbaren Zeit des Wohlstands und des Friedens in Deutschland, in der – mit Verlaub – der offenbar größte politische Streit sich an der bloßen Bezeichnung der Ehe von Homosexuellen als ebensolche oder als Lebenspartnerschaft entfachten, während jenseits unseres, aus immer weiterer Ferne sichtbaren Elfenbeinturmes Krieg, Perspektivlosigkeit und Armut herrschen, ist es schlichtweg unsere menschliche Pflicht, uns dieser Probleme anzunehmen. Der Vorwurf der Terroristen, wir seien eine morallose Gesellschaft, ist so schnell entkräftet.