Wohin will die Biotechnologie?

Bdna_croppedDie aktuellen Fortschritte in der Biotechnologie lassen es ja immer realistischer erscheinen, dass der Mensch nicht nur Baktieren zur Treibstofferzeugung oder künstliche Organe heranzüchtet, indem er einen von ihm programmierten, designten Erbcode zu Leben erweckt, sondern schließlich auch noch sich selbst, sein eigenes genetisches Programm, zu optimieren beginnt. Was mit der Beseitung von Erbkrankheiten beginnt, zieht dann immer neue Kreise und immer mehr Eigenschaften seiner selbst werden in Frage gestellt und als abänderbar angesehen.

Kaum ein Fundament der menschlichen Gesellschaft scheint noch sicher zu sein bei der Möglichkeit, sich selbst als Wesen neuzuerschaffen. Warum noch so lange zur Schule gehen, wenn sich der Mensch doch intelligenter machen kann und dadurch schneller lernt? Warum überhaupt noch zur Schule gehen, wenn doch das bereits vorhandene Wissen und wichtige Fertigkeiten schon von Geburt an einprogrammiert sein könnten? Warum überhaupt noch eine mühsame Geburt auf sich nehmen, wenn man doch auch einen Menschen erschaffen kann, dessen Nachwuchs aus dem Reagenzglas schlüpft? Warum überhaupt noch lästige Landwirtschaft betreiben, wenn doch auch ein neuer Mensch geschaffen werden kann, der seinen Energiebedarf über das Sonnenlicht deckt, wie eine Pflanze Photosynthese betreibend? Warum noch so lästige Dinge wie Schmerzen, wenn da doch eine wertfreie Information genügen würde, warum noch Älterwerdenmüssen oder Sterbenmüssen? Es sind wohl kaum Grenzen gesetzt, immer mehr Probleme und Imperfektionen des Menschen zu beseitigen – mit unzähligen Updates wird das System Mensch immer weiter optimiert.

Am Ende sitzt er dann da der neue Mensch, in seiner perfekten Welt, doch sein perfekter, hochmotorisierter Geist hat auf einmal gar keinen Zweck mehr, denn alle Probleme sind ja bereits gelöst. Das einzige Problem allerdings, welches noch bleibt, das ist seine Langeweile – oder anders ausgedrückt: der Drang, Probleme lösen zu wollen, immer noch vorhanden, wo es doch gar keine Probleme mehr gibt, wo doch schon alles von alleine läuft. Und so beschließt der neue Mensch, sein eigenes Erbgut und in seiner fast grenzenlosen Macht auch die gesamte Welt auf ein neues zu verändern. Was dann bleibt, ist einfach eine glatte Kugel, bar jeglicher Gefahren, und auf ihr die Exemplare der finalen Version des Menschen, die aussehen wie simple Steine. Sie haben nichts, sie brauchen nichts, sie haben keine Probleme und auch keine Langeweile mehr, sie wollen nichts und auch niemandem anderem etwas. Die perfekten Menschen in der perfekten Welt liegen einfach nur herum und genießen die Sonne. Wie im Märchen „Der Fischer und seine Frau“ ist die nach noch immer mehr strebende Evolution schließlich und mit logischer Konsequenz zu ihrem Anfang zurückgekehrt. Die neuen Menschen sind eigentlich Tote, aber sie sind auf ewig glücklich – sie haben sich den Himmel auf Erden geschaffen.

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