Über gute und bessere Taten

Wohltaten sind gut, ohne Frage. Ehrenamtliche Nachhilfe, Pflege von Verwandten, Spenden, Engagement in Organisationen, Flüchtlings- und Entwicklungshilfe – das ist alles gut.
Manche tun es, um andere damit zu beeindrucken, um sich zu profilieren, um durch die eigene „social responsibility“ Werbung für sich zu machen oder um den Forderungen eines religiösen Systems gerecht zu werden – um Gott zu gefallen. Wie auch immer, die Triebfeder, die zu den Wohltaten führt, ist eigentlich egoistisch: das Tun für andere ist im Grunde ein Tun für sich (prosoziales Verhalten sichert den Rang in der menschlichen Gattung). Durch das Engagement steigt vor allem auch das eigene Anerkennen. Man mag von diesen Motiven halten was man will, am Ende kommen doch Wohltaten zustande, am Ende kommt doch Gutes Benachteiligten zu gute.  Da kann man doch die Anerkennung schenken.
Andere tun jedoch Gutes nur um anderer Willen, aus wahrer Liebe zu anderen, ja oft sogar fremden Menschen heraus. Wie viel besser ist das! Es kommt am Ende zwar ebenso Gutes heraus, aber das Gute kommt schon vom Guten her, das Gute ist sozusagen reiner. Wenn man ehrlich ist, sind wohl nur sehr wenige Menschen zu diesem besseren Guten fähig, man mag sie „Heilige“ nennen. Es gehört nämlich sehr viel dazu, über allen tierischen Wettstreit hinweg, zu dem auch der Drang, das eigene Ansehen zu steigern – um des eigenen Vorteils Willen – gehört, im anderen, auch im Fremden, einfach nur einen anderen Menschen zu sehen und ihm um seiner selbst willen Hilfe zu bieten. Wahre Hinwendung zum Du, auch zum fremden Du, statt zum Ich, das ist das macht die besseren guten Taten aus.