Notiz zum gottgleichen Psychiater

Psychiater –  dass es diesen Job überhaupt gibt, ist eigentlich ein starkes Stück. Da maßen sich also tatsächlich Angehörige der Gattung Homo Sapiens an, objektiv darüber entscheiden zu können, ob ihre Artgenossen verrückt sind oder nicht. Im Fall einer positiven Entscheidung zieht das weitreichende Konsequenzen nach sich, der Verrückte wird weggesperrt, geächtet und oft durch Medikamente geistig erweicht einer unfreiwilligen Gehirnwäsche unterzogen. Psychiatrie – das ist nicht nur seelsorgerliche Unterstützung leidender Artgenossen, das ist ein normgebendes Element im Staat. Ähnlich dem Richter kann der Psychiater über eine Art Gefängnisstrafe verfügen, doch während beim Gesetz, der Entscheidungsgrundlage des Richters, klar ist, dass es ein menschengemachtes Konstrukt ist, scheint die objektive Naturwissenschaft das Fundament des Psychiaters zu sein. Ein großer Irrtum! Menschen sehen Störungen, krankhaftes Verhalten immer nur vom Standpunkt ihrer normgebenden Mittelmäßigkeit aus. Der schlechte, das heißt nicht therapeutische, dafür gottgleiche Psychiater verteidigt also das arithmetische gesellschaftliche Mittel gegenüber der vielfältigen Abweichung geistiger Konstitution. Er ist insofern Demokratie pur. Weg aus dem Köpfen sollen die Bilder der mächtigen Psychiater und weichen den Weichen, den ehrlichen Leidminderern.

 

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