Psychologie – eine Naturwissenschaft mit humanistischer Verpflichtung

Ein psychologischer Mechanismus, gezeichnet von René Descartes.

Ein psychologischer Mechanismus, gezeichnet von René Descartes.

Als mathematisch-naturwissenschaftlicher Mensch muss man aufpassen, psychologische Sachverhalte nicht zu ernst zu nehmen oder mit dem falschen Denkwerkzeug zu nutzen. Psychologie drückt einfache und wohlbekannte Alltagserfahrungen oft in wissenschaftlichen Worten aus, da sie sich als Naturwissenschaft sieht und somit der empirischen Methodik verpflichtet. Im rein akademischen Bereich, in der Wissenschaft, kann dagegen nichts einzuwenden sein, für die Anwendung der Psychologie ist aber Vorsicht geboten!

Man kann zum Beispiel die narzisstische Persönlichkeitsstörung (ICD F 60.8) als Krankheit auffassen; damit degradiert man dann aber seinen sehr von sich selbst überzeugten Mitmenschen, der ja gerade in seinem Wesenskern betroffen ist, zum Objekt, zum pathologischen Fall oder zum präzise-definierten naturwissenschaftlichen Phänomen. Eine ungute Einstellung im eigenen Geiste, vor allem in der Therapie. Abnorme Neuronenstrukturen, falsch verwachsene Verschaltungen und fehlerhafte Gehirnprogrammierungen sieht man dann anstelle ungewöhnlicher Charaktere. Eine bessere Sichtweise dagegen ist es, die sogenannte „Störung“ als mögliches Problemfeld seines Mitmenschen als Person, in dessen Denken und Interaktion mit anderen Menschen, aufzufassen. Sie zwar mit dem objektiven und wissenschaftlichen Auge zu registrieren, sie aber im guten, diplomatischen Stil, nachsichtig-pädagogisch und mit viel intelligentem Feingefühl zu thematisieren, nicht mit scharfen Diagnosen, den Menschen als Menschen statt als Objekt wahrnehmend. Sie aufzufassen als ungünstige Konstellation, die durch seelsorgerliche oder philosophische Ratschläge aufgelöst werden kann, zum Wohle der betreffenden Person und seiner Mitmenschen.
Psychologie muss im Anwendungsfall immer humanistisch sein, von Mensch zu Mensch, von Mensch für Mensch! Ein Missbrauch der psychologischen Einsichten des Psychologen, der doch selbst ein Mensch ist, für wirtschaftliche, juristische, kriminelle, persönliche Zwecke, Manipulation, so, wie wenn die Physiker die Kernkräfte zur Energiegewinnung ausnützen, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit! Einen Eid des Hippokrates für Psychologen muss es geben!

PS: Jede Wissenschaft hat eine subtile Intention, auf englisch sozusagen eine „Hidden Agenda“, die, auch wenn man noch so weit in ihre Tiefen vorgedrungen ist, nicht untergehen darf! Jede Wissenschaft dient so dem Menschen!

– Medizin: angewandte Naturwissenschaft und Technik zur Therapie und Prophylaxe von Krankeiten.- Physik: Aufdeckung neuer grundlegender Naturgesetze zum Zwecke besserer Technik und besseren Verständnisses der Welt.
– Theologie: Reflexion und Interpretation der Bibel und von Sekundärliteratur zur Förderung einer besseren Ethik der Menschen und eines stabileren Seelenlebens.
– Soziologie: Förderung eines besseren Verständnisses des Menschen seiner eigenen Gesellschaft zur Förderung harmonischerer gesellschaftlicher Abläufe.
– Philosophie: Nachdenken über menschliche Grundfragen zum Zweck eines besseren Selbstverständnisses des Menschen und der Bewältigung von Sinnkrisen.

etc.

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