Gedanken über das Denken und die Logik

Logik ist wie die Grammatik eines Teilbereiches unseres Gehirns.

Wenn uns etwas als logisch erscheint, dann heißt es, dass es mit der Art, wie wir denken und lernen, zusammenpasst. Was logisch ist, ist lernbar und verstehbar, das heißt, es ist für unsere Denkweise passend gemacht. Selbstverständlich ist aber nicht alles, was logisch ist, deswegen auch wahr. Es gibt Dinge, die sind richtig gedacht in dem Sinn, dass sie logisch sind und der Gehirngrammatik entsprechen. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie tatsächlich und objektiv wahr sind.

Andererseits scheint es auch Dinge zu geben, die zwar objektiv wahr sind, die wir aber nur sehr schwer in der Gehirngrammatik ausdrücken können. (Beispiel: Hans sagt mir, er hat nur rote Stifte. Karla sagt, Hans hat nur Buntstifte. Dann weiß ich, Hans hat nur rote Buntstifte. Das wäre entsprechend der Gehirngrammatik richtig gedacht. In Wirklichkeit haben beide gelogen und Hans hat nur blaue Filzstifte. Umgekehrt: in der Naturwissenschaft. Ein Atom kann gleichzeitig in einem Zustand und einem anderen sein. Das ist, wie wenn ich in einem Gebäude gleichzeitig ein bisschen im Erdgeschoß und ein bisschen im dritten Stock bin. Nehmen wir an, es ist wirklich so, dass das Atom ein Stockwerkgrenzgänger ist. Dann kann man das kaum glauben, weil es der Gehirngrammatik fundamental widerspricht.)

Die Mathematik ist streng nach dem Prinzip der Logik aufgebaut, das heißt nach der Gehirngrammatik. Richtig ist in der Mathematik ein Zusammenhang dann, wenn er nur vom menschlichen Gehirn als richtig erachtet wird. (Es passt, es geht auf, die Dissonanzen im Denken lassen nach, es sieht gut aus, es fühlt sich gut an, es ist also richtig.)

In gewisser Weise ist also Mathematik eine erweiterte Gehirngrammatik, eine Ausdehnung der Sprache, mit der wir denken, oder eine explizite Visualisierung davon, wie wir denken, mit Symbolen. Dadurch, dass die reine Mathematik aus unserem Gehirn kommt (inspiriert von gewissen Erfahrungen, vor allem von alltäglichen), lässt sich das, was mathematisch ausgedrückt ist, recht einfach verstehen. Es ist in der erweiterten Sprache unseres Denkens ausgedrückt und somit gut verständlich.

Der Naturwissenschaftler hat die Aufgabe, Dinge zu erforschen und zu erkennen und dann die Erkenntnisse so aufzubereiten, dass sie anderen Menschen verständlich sind. Eine häufige Arbeitsweise ist dabei, die Erkenntnisse in mathematischen Formeln auszudrücken. Man drückt sich also in der erweiterten Grammatik des Denkens aus. Das mag nicht immer der Weg sein, der die Dinge dem Gehirn – unserem Denken – am einfachsten übermittelt. Idealerweise sollte der Naturwissenschaftler eine möglichst farbige, analogienreiche und alltagsnahe Sprache verwenden, so dass seine Erkenntnisse am besten verstanden werden können. Ein Wissenschaftler, der seine Erkenntnisse zu kompliziert ausdrückt, ist eher faul als klug. Dinge einfach zu erklären ist die größere Arbeit. Es ist die Aufgabe der Wissenschaft, die komplizierten Zusammenhänge in der Welt gedanklich zu vereinfachen und aufzubereiten. Der Wissenschaftler hat also die Rolle eines Übersetzers inne, der die komplexen Eindrücke und Erkenntnisse in die einfache Sprache des Gehirns übersetzt.

Es muss auch sichergestellt werden, dass die Dinge, die in die Gehirngrammatik übersetzt sind, auch mit dem Alltagsdenken, dem intuitiven Denken, in Zusammenhang gebracht werden können. Dass die Erkenntnis also in der Anwendung auch mit dem alltäglichen Denken verwendet werden kann. Je weniger Vor- und Nebenwissen nötig ist, desto besser.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s