Kirche und gedanklicher Dualismus

Die Kirche predigt und fördert auf krasse Art und Weise einen Dualismus im Denken, eine Doppelmoral. Sie trennt im Denken zwischen drinnen und draußen, vor den Kirchentüren und dahinter. Draußen, da ist die Welt der tatsächlichen Bedrohungen, wo tatsächliches Leid, wo tatsächliche Arbeit sind. Drinnen, da ist die Welt der Mystik, der Mitmenschlichkeit, der Gefühle. Im Grunde unsinnig, diese beiden „Welten“ zu trennen, doch genau das ist es, was die Kirche betreibt, bzw. das ist die Funktion, die ihr in der menschlichen Gesellschaft zugewiesen ist. Sie verbannt das Urmenschliche in Kirchen, Dome und Kathedralen, während man draußen in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft (Handwerk, Verwaltung) ungezügelt, kaltblütig, rational agieren kann. Anders gesagt, sie übernimmt die psychische Rückendeckung des Alltagsmenschen, sodass er vorne umso stärker und konzentrierter handeln kann. (Das ist ein Erfolgsrezept z. B. für das Bundesland Bayern. Die katholische Erdung, die philosophische Gegebenheit ist die Basis für beste, harte, präzise Ingenieurskunst, international wettbewerbsfähig in modern geführten Konzernen.) Was aber für eine Doppelmoral! Draußen – wo tatsächlich Kollegen arbeitslos werden, wo man auf Bettler stößt, wo sich alte Leute gerade noch mit dem Gehwagen über die Straße kämpfen können – bleibt man hart, gefühllos, unmoralisch, weil man drinnen – in sich und in der Kirche als Gebäude – ja davon überzeugt ist, dass man gut ist. Beide Teilbereiche des Denkens, physiologisch gesprochen vielleicht auch beide Hirnregionen, sind aber klar voneinander getrennt worden und von daher fällt es den wenigsten Menschen auf, wie einfach sie es sich machen. Muss das aber noch sein in einer modernen, europäischen Gesellschaft? Darf da, sollte da nicht auch der Top-Manager ethisches Verantwortungsbewusstsein draußen zeigen dürfen, sollte da die perfektionssüchtige Erfolgspolitikerin nicht auch einmal draußen ihre eigenen Schwächen bekennen? Darf man in dieser Gesellschaft dann auch drinnen – in der Kirche – streng denken, hinterfragen, was Sinn und Zweck der Rituale ist, was noch vertretbar ist an der christlichen Botschaft und was schon längst als antikes Gedankengerümpel aussortiert werden muss? Darf man da auch die Sinnhaftigkeit so mancher wohltätigen Aktion in Frage stellen, ohne – drinnen – als unmenschlich zu gelten (was draußen nur normal gewesen wäre)?
Echte Menschen braucht es hier und da, ganze Menschen, keine in zwei Teile zergliederte! Und am besten kein „hier und da“, sondern nur die eine Welt, in der wir Menschen stets wir selbst sein dürfen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s