Das Päpstchen

Jetzt in der Zeit der Osterfeiertage kommt wieder der katholische Glauben in meine Gedanken. Meine Vergangenheit hat er ja doch ziemlich geprägt. Habe deswegen ein paar Videos angesehen, auch von Joseph Ratzinger, z. B. als er sich von seiner damaligen Diözese München verabschiedete (http://www.youtube.com/watch?v=8SNsKUzWA5Y). Kurz vorher verliest da in dem Video noch der damalige bayrische Ministerpräsident F. J. Strauß Grußworte, bevor dann Ratzinger selbst zu Wort kommt. Ein Unterschied wie Tag und Nacht: hier der mächtige, spitzbübische, blitzgescheite, aber grobschlächtige Strauß mit seinem Stiernacken, der Worte mit Nachdruck sagt. Einfach eine Persönlichkeit, ein Alpha-Tierchen. Dagegen der schmächtige, knaben-, ja fast jungfernhafte Ratzinger. Zunächst klingen seine Worte weise, hochgebildet, intellektuell. Er trägt sie mit sanften Armbewegungen vor, mit damenhafter Eleganz. Hört man aber genauer hin, so erkennt man: der spielt eine Rolle. Der sagt seine Worte nur so dahin, wie ein kleiner Schulbub, der ein Gedicht auswendig gelernt hat. Was ist er schon mehr, als ein Schulbub, der genau so geformt ist, wie ihn Mama – Mutter Kirche – haben wollte, der ein Leben lang nur brav war? Ich konnte mir bei den Worten das Lachen einfach nicht verkneifen. Kein Auslachen, sondern Mitlachen mit ihm. Er verwendet in der Ansprache so viele Floskeln, so viele inhaltsarme Worthülsen, Stilfiguren. Ja, eigentlich ist er ein Künstler, kein Kardinal oder Papst. Der Mozart der Theologie, mit Worten spielend statt mit Noten. Verschnörkselt, dabei aber ohne tieferen Sinn, flach, sinnlos, aber schön, so wie Mozarts Musik. Er erinnert mich auch an meinen erzkatholischen Mathe-Dozenten, ein 40-jähriger Schulbub, der mit Formeln spielt, der verkünstelte Beweise vorführt. Zweitens kommt mir auch die verkomplizierte Ausdrucksweise von Thomas Mann in den Sinn, der war auch ein Wort-Künstler. Der Inhalt spielt dabei eine untergeordnete Rolle, wichtig ist die Ästhetik der Form.
Was waren das doch gleich für Männer, die einen Sinn für Schnörksel, für Eleganz, für Ästhetik haben, die ewigen Buben? Modedesigner, Pop-Sänger, Musical-Schreiber, Romantik-Komponisten, Schriftsteller: Lebenskünstler. Familie, Verantwortung, echte Arbeit, dafür sind sie sich zu schön. Akkurat inszenierte Liturgie, prächtige Gewänder, nett formulierte Gebetsfloskeln, frömmelndes Getänzel: David Berger (der wirkt ähnlich wie Ratzinger) spricht vom Typus des homosexuell-katholischen Ästheten. So jemand mogelt sich durch bis auf den heiligen Stuhl? Einer der es nicht ernst meint, sondern als Kunst, künstlich? Ich finde, das in Erwägung zu ziehen, nicht komplett absurd. Erbärmerlich nur, dass gerade derselbe Vorschriften gegen den eigenen Schlag erlässt. Weitere Künstler-Priester so wie er sind verboten. Vielleicht ist sich Ratzinger gar nicht so bewusst, welche psychische Triebfeder hinter seinem Werdegang steht. Wahrscheinlich weiß er es aber in sich ganz genau; man kann es ihm ja nicht einmal vorwerfen, den kirchlichen Weg eingeschlagen zu haben, in einer Zeit, in der man sonst mit dem rosa Winkel im KZ gelandet wäre. Nur ist es das nicht, was die Kirche braucht: einen feenhaft-schwärmerischen Modefürsten, vordergründig Mamas brävstes Kind, auf der Bühne des Altarraums für alle zu bestaunen, ein über-angepasstes Kind, dem die Verantwortlichkeiten über den Kopf wachsen. Einen Nachfolger Christi, der kurz vor der Kreuzigung noch einen anderen Pelzhut aufsetzen würde. Nein, nötig wäre ein Mann, ein tatkräftiger, lebensnaher und pragmatisch-rechtgläubiger Leitwolf. Wäre er nicht schon gestorben und würde es nicht alle möglichen kirchlichen Vorschriften sprengen, ich wäre für Franz Josef Strauß als Papst.

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