Wochenende in Wien, 10. März 2012

Samstag, 10. März 2012:
Ich wache zwar schon um zehn auf, gehe den gestrigen Tag aber nochmal im Schnelldurchlauf visuell durch. Dann steh ich aus meinem Schlafsack auf und geh duschen. Das muss man hier leider mangels Duschvorhang im Sitzen erledigen. So langsam stehen auch die anderen auf. Magi hat vom vielen Rauchen, aber auch weil sie erkältet ist, eine ziemlich rauhe Kehle. Es ist schon Nachmittag, als wir Kaffee trinken und frühstücken. Die Himbeermarmelade wird uns vorenthalten, Nutella war aber ok. Die anderen halten mir meine schlechte Stimmung gestern Nacht vor, ich weiß das alles gar nicht mehr so genau. Jo erzählt von seinem Parfümkonsum, während ich nochmal die Wohnung analysiere, so wie ichs gestern schon gemacht hab. Niklas und ich kommen mal wieder ins diskutieren über Belanglosigkeiten, woraufhin Jo mich mit Sheldon Cooper vergleicht. Ich fühle mich geschmeichelt. Warum auch immer kommt eine scheinbar tiefrgründige Diskussion über den Sinn des Lebens und Lebenswege zustande. Wir verabreden uns mit Siffi und den anderen, die bei ihr gepennt haben, und machen uns dann wieder per U-Bahn auf den Weg, der dann wiederum an der Flohmarkt-Kirche vorbeiführt. Maggi bleibt daheim. Siffis Wohnung ist nicht ganz so edel wie die gestrige Party-Location, hat dafür mehr den Charme einer etwas chaotischen Künstler-WG (was sie ja auch ist). Außer Niklas, mir, Jo und Caro sind noch Rolli, Arni (der auch im Olympiazentrum wohnt, Medizin studiert und mich wegen Physik bewundert), die Misanthropin Vanessa (vom RFL), zwei hübsche Luxemburgerinnen, Domi, Max und Siffi am Start. Wir gehen zum Naschmarkt. Über einen Flohmarkt bunter Kuriosäten, der schon ziemlich osteuropäisch wirkt, kommen wir dort hin. Das Wetter war prächtig, ganz genauso wie die Häuserkulissen der Jugendstilhäuser – einfach malerisch. Am Naschmarkt reihen sich Stand an Stand mit Gemüse, eingelegten Delikatessen, Gebratenem, Süßigkeiten, Fisch, Obst und was man sich sonst noch so ins Schlaraffenlang wünscht. Es ist ziemlich eng und man stößt ständig an andere Menschen, die lieber gierig nach links und rechts in die Auslagen als auf den Weg schauen. Wir teilen uns auf zum Essenskauf, dann gehen wir gemeinsam in den Rainbowpark, um da am Boden sitzend das Gekaufte zu verspeisen. Jo, Domi und Siffi reden ständig vom Film und Theater, Niklas, mir und Arni ist das eher fremd und deswegen verschlägt es uns in sachlichere Gespräche. Nebenan sitzt auf einer Parkpank ein bärtiger Hippie-Papa mit einem schreienden Kind im Trotzalter. Als wir über ihn reden, nickt er verständnisvoll. Die Sonne verschwindet hinter den Häusern und so gehen wir in „chilliger“ Lethargie weiter, Ziel war der Prater. Unterwegs stößt auch Magi wieder zu uns. Per U-Bahn und Fußmarsch (mein Fuß tut immer noch weh) stehen wir dann auf einmal vor den Fahrgeschäften und dem Riesenrad. Ich bin müde und brauch einen Kaffee. Siffi sieht einen Globus (Radius ca. 2m) und erzählt was vom halb-anerkannten Miniaturstaat Kugel-Mugel. Der Prater ist irgendwas zwischen ganzjährig geöffnetem Volksfest und Vergnügungspark, die Stände sind fix dort und deswegen aufwändiger gestaltet. Arni und Rolli fahren in einem abenteuerlichen Fahrgeschäft, während Magi, Caro, ich und Jo daraufhin mit der Geisterbahn Vorlieb nehmen. Ich bin zusammen mit Caro in einem Wagon und lass es mir nicht nehmen, sie kurz vor Schluss fest an der Schulter zu packen. Sie erschrickt ganz schön. Sonst war die Bahn lahm. Es wird langsam kalt und ich gerate ins Grübeln, fühle mich irgendwie nicht integriert und ein wenig überladen mit all den Eindrücken. Wir kommen an eine Go-Kart-Bahn und fahren. Zwei Halbstarke sind da irgendwie schneller. In welcher dekanten Spielwelt wir hier doch leben, denk ich mir, während der Rest schon wieder die Kippen angesteckt hat. Domi schießt Siffi was, dann fahren Jo und Maggi mit dem weltgrößten Riesenrad (sie „fliegen“ laut Ansage). Ich trinke mangels Kaffee ein eiskaltes Automaten-Cola, Niklas tut es mir gleich. Wir schlendern zurück zum Eingang (mein Fuß…). Caro kauft noch geschmacklose Postkarten, ein Straßensaxofonist weckt dagegen in Domi die Assoziation einer Russland-Doku. Wir trennen uns nach Schlafplatz auf, ich bin also nur noch mit Magi, Niklas, Caro und Jo unterwegs. Während der seine Körperbutter kauft und Magi und Caro in der Apotheke sind, besorgen Niklas und ich wie gewünscht dreilagiges Klopapier, das Niklas zahlt und ich trage. Zurück in der Wohnung besinnen wir uns zu klassischer Musik, die Caro auf ihrem MP3-Player abspielt, während sie an meiner Seite einnnickt. Niklas hat sich auch eingeklinkt. Jo muss weg. Niklas duscht, Magi kocht Nudeln mit Lachs-Sahne-Soße (nicht so viel Salz ins Nudelwasser…). Das Essen war gut und es war einfach schön, zusammen zu sitzen. Danach hatte ich Durst. Und Hunger auf Brot. Niklas und ich haben die ehrenvolle Aufgabe übernommen, den Geschirrspüler einzuräumen, der – wie ich erschreckend festellten musste – nicht der Ofen ist, aber wir konnten auch dieses Problem erfolgreich meistern. Wir sitzen noch länger am Tisch und Niklas und ich erzählen über unsere Abenteuer bei der Abifahrt in Barcelona, in Rom, in Landshut usw. Ich weiß gar nicht so genau was es war, unsere Unbeholfenheit, unsere komplizierte Denkweise, das Hin-und-her des erzählerischen Spielballes oder die absurden Sprünge – jedenfalls haben wir zwei Stunden nur gelacht. Magi erzählt auch was von ihrer Nahtoderfahrung, Caro von ihrer Blutsbruderschaft, schließlich hat sie Muskelkater in den Wangen. Ich fühle mich wie ein spitzbübischer Witze-Erzähler. Wir wollten eigentlich um halb zehn in einer Bar sein, um zwölf oder so kommen Niklas, Caro und ich schließlich wieder bei Siffis Wohnung an. Die andere Gruppe von tagsüber (sie trinken schon Wodka pur) schließt sich wieder an (eigentlich schließen wir uns denen an) und wir suchen eine Location. War gar nicht so einfach, was zu finden. Schließlich landen wir im Europa, kaum 20 Meter von Siffis Wohnung entfernt. In dieser Bar-Club-Lounge sitzen wir hinten in einer Sesselecke und trinken unsere Bierchen. Das Mädchen an der Bar, eine schwarze mit den typisch-österreichischen Augen, fragt meine Bestellung „‚N Bier!“ mit „Eines?“ nach. Mit einer ziemlich höfisch-edlen Betonung. Wir sitzen in der Ecke oder tanzen. Die anderen sind ziemlich in Stimmung, insbesondere Siffi. Ich tausche ein paar verstohlene Blicke mit der hübschen Luxemburgerin aus. Ich hätte Chancen. Wirkt aber so, als käm mir ein Affe zuvor. Außerdem spendiert Vanessa Bier, daraufhin werde ich müde, deprimiert bin ich ja eh schon. Gut drauf sein, weil man gut drauf sein muss, geht eben nicht. Tanzen will mein Fuß nach dem Stadtmarsch heute nicht mehr. Wollte noch Fotos von den Tanzenden machen, lass es dann aber… Schade, dass es heute mit mir hier nichts mehr wird. Das Flair der Alternativen, der Hippies in in der Location taugt mir eigentlich. Ich mach die Augen zu und alles ist hell und absurd. Ich schlafe ein. Der DJ hatte keine Lust mehr und hat sich verabschiedet, sagt mir Niklas, als ich erholt mit den anderen die Location verlasse. Ist schon irgendwas nach fünf. Ich hab Lust auf Frühstück und kann den anderen dank Nickerchen die Grantelei ersparen. Rolli findet seinen Schlüssel nicht, irgendwer in Siffis Wohnung wird wachgeklingelt. Caro, Niklas und ich fahren mit der U-Bahn heim. Die Vögel zwitschern schon. Als ein Auto hupt und ich mich über das Zwitschern mit einem „Argh!“ beschwere, fragt Niklas, ob ich zurückhupe. Trotz angeschaltetem Licht wacht in der Wohnung keiner auf und wir pennen weg (ich wie gewöhlich mit Ohropax und Schlafbrille).

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Ein Kommentar zu “Wochenende in Wien, 10. März 2012

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