Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing

Gerade hab ich viel und intensiv Klavier gespielt, richtig lange und mit viel Emotionen. Interessant, wie so scheinbar rein mathematische Formeln, die Noten, die menschlichen Gefühle beeinflussen (meine eigenen Gefühle sind ja eher träge und umwabern meine Gedanken meist im Hintergrund; als Temperatur der  Buchstabensuppe). Nachdem ich heute widerwillig mit dem Lernen für die anstehende Nachholklausur in Kernphysik begonnen und dann ziemlich schlecht gelaunt war, kam mir der Gedanke, ob ich meine Emotionen zu sehr von Formeln beeinflussen lasse. Ganz allgemein scheint es mir bei theoretisch veranlagten Menschen (aber bestimmt bei den anderen auf gewisse Art und Weise ebenso) so zu sein, dass der Stoff, mit denen sie ihren ständig laufenden Gedankenapparat füttern, ihre Emotionen ungemein beeinflussen. Der Ingenieur denkt stets pragmatisch, er wirkt dann auch einfach und bodenständig. Weil er harte Dinge macht, die er versteht, und vor allem eben macht, liebt er das Tatkräftige; Ungenaues, Konsequenzenloses und Gefühlsvolles sind dem, der sich mit Maschinen beschäftigt, fremd. Der Musiker lässt die Noten in seine Gedanken, eine eigenartige Kombination aus mathematischer Präzision und überquellend-emotionaler Eigenwilligkeit. Er wird emotional dynamischer als ein Ingenieur, aber auch verspielter. Seine Emotionen sind aber meist nur ein Spiel, eine Reaktion auf die Art der Musik, die er produziert, künstlich, sie sind nicht auf Mitmenschen gerichtet. Der Pfarrer beschäftigt sich mit Theologie, mit der Lehre der frohen Botschaft. Sinn und Zweck dieser Gedanken ist es, zu heilen, Schmerzen zu lindern, Unabänderliches zu besänftigen. Ob die Botschaft selbst nun wahr ist oder nicht, sie wirkt, auch bei ihm selbst. Er lebt in einer glücklicheren Welt und strahlt das auch nach außen aus. Der harte Naturwissenschaftler (der Holzfäller) beschäftigt sein Gehirn mit knallharten Fakten und Grundlagenproblemen. Er wirkt daher kühl und nüchtern und versucht seine diskussive Art auch auf andere Bereiche anzuwenden. Interessant ist es, wenn Menschen in zweierlei Gedankengebäuden gerne wohnen: Paradebeispiel religiös sozialisierter Naturwissenschaftler. Er (ich?) erlebt beides als einen sinnvollen, ja gerade notwendigen und befruchtenden Ausgleich. Beim Rechnen kann man sich von den Gefühlen erholen, beim Gottesdienst von den Gedankenverrenkungen. Von großem Interesse ist da natürlich, dass sich beides nicht gegenseitig ausschließt, dass also z.B. nicht die Ratio der Erholung in der Religion den Riegel vorschiebt. Produkt dieses Bestrebens sind so manche philosophische Abhandlung über die Vereinbarkeit von beidem: schriftlich verarbeitete Gedankenarbeit, Gedankenkonstruktion zur Besänftigung des Widerspruchs. Musik, Theologie, dass scheinen mir nur sehr abstrakte Gefühlsäußerungen zu sein: „Ach, es ist doch nicht so schlimm.“ Weil sie die Gefühlssoße ganz indirekt (eben abstrakt) in komplizierte und intellektuell anspruchsvolle Gedankengerüste packen, sind sie dem Theoretiker ungeheuer wichtig. Dabei sind sie für ihn nur eine Art Krücke, die ihn Bewusstseinsregionen betreten lassen, in denen der normale Alltagsmensch ganz ohne großes Gedankentrara ein- und ausgeht. Vielleicht dient eine gewisse Vielfalt der geistigen Beschäftigung dem Theoretiker als Repertoire auf unterschiedliche Situationen: jetzt, beim Rohrbruch im Heizungskeller denk ich, wie ich es als Ingenieur gewohnt bin, pragmatisch; jetzt, beim Krankenbesuch lass‘ ich meine naturwissenschaftlich-kühle Art zugunsten einer priesterlichen Anteilnahme beiseite, nimmt mir auch selbst die Angst; usw. So kann der Theoretiker dann deduktiv (das muss er traurigerweise machen) die Denkweisen der verschiedenen Wissensgebiete zu Rollen abmildern und schließlich als dynamisch-empathischer Mitmensch agieren.

Ein Gedanke noch zur Religion: womöglich liegt ihre Bedeutung gerade darin, jenseits aller empirischen Tatsachen, die allzu entmutigend wären, positive Gedankengebäude (eine heile Welt), Urlaubsinseln für das Gehirn, zu schaffen. Glauben ist dann wirklich „nicht wissen“, wenn nicht sogar „wissen, dass nicht, aber trotzdem, weil schön.“

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Von der Leyen

Ein grandioser Auftritt gerade bei Jauch. Meine Gedanken dazu:

 

Wo lernt man denn diese Show? Miss Perfect, die Vorzeige-Barbiepuppe, zeigt ihre wohl distinguierten Gesten, macht klare, deswegen aber keineswegs richtige Aussagen. Beim Zuhören blinzelt sie brav, Scherze erwidert sie mit einem gekünstelten Lächeln. So eine Person, die kann erzählen was sie will, ich sehe durch sie hindurch, ihre Fassade zerfällt. Neugierig wäre ich, ob sich dahinter noch Menschliches verbirgt, was der straffen Perfektion ihrerselbst standgehalten hat. Das Verbliebene muss wohl furchtbar schwach sein, so schwach, dass sie es der Öffentlichkeit fernhält. Warum fallen so viele Menschen auf derartige Politiker herein, die doch nur bedienen, was erwartet wird, die ständig ihre Rolle spielen?

Immanuel

Immanuel

Dezember 2011

„Der Winter kommt noch jedes Jahr früh genug“, dachte sich Immanuel, während er mit seinen robusten, mit Fell überzogenen Stiefeln durch das Unterholz stapfte. Noch war es aber längst noch nicht soweit, die meisten Bäume trugen noch ihr bunt gefärbtes Laub und ließen es nur vereinzelt in die aufziehenden Herbstwinde losziehen. Der Herbst, das war für Immanuel die Zeit, in der er am meisten zu tun hatte. Da galt es, die Vorräte an Feuerholz für den – doch früh genug – kommenden Winter aufzustocken. „Eine elende Plackerei ist das jedes Jahr“, dachte er sich, oder vielleicht murmelte er es auch in seinen mittlerweile ergrauenden ungepflegten Bart. „Doch es hilft nichts. Ich will ja was verkaufen, muss die Leute drunten im Dorf beliefern. Und selber brauch ich ja auch was.“

Immanuel war nun achtundvierzig Jahre alt und, seit er als junger Bub dazu in der Lage war, arbeitete er hier im Schachtholz. Sein Vater war damals der Förster im Schachtholz gewesen und so war es nur der vorbestimmte Lauf der Dinge, dass Immanuel in seine Fußstapfen getreten und in bepelzten Stiefeln dem Vater nachgefolgt war. Immanuels Mutter war damals schon im Siechhaus des Dorfes, erkrankt an einigen bösartigen Geschwulsten, ihrem unausweichlichen Schicksal eilenden Schrittes entgegengegangen. Nicht lange nach dem tragischen Tode der Mutter war aber auch Immanuels Vater bei einem Unfall während der Arbeit im Schachtholz plötzlich ums Leben gekommen, und so hatte Immanuel – gerade erst siebzehn – kurzerhand den Posten des Försters übernommen. All die Jahre über hatte er seitdem abseits des Dorfes in der Forsthütte gelebt und war, mangels ernsthafter Kontakte und weil er durchaus verwildert, ja gar verroht wirkte, unverheiratet geblieben. An das Wunder, dass er sich doch irgendwann binden würde, hatte er seit bestimmt schon einem Jahrzehnt den Glauben verloren. Seine Pflicht, seine Arbeit im Schachtholz, das war im Grunde schon immer sein Leben gewesen und würde es auch immer bleiben, nicht mehr und nicht weniger.

Darüber machte er sich aber keine tieferen Gedanken, wie es ihm ohnehin nicht zu eigen war. Er stapfte, wie es nun eben seine Plicht, sein Los, sein Leben, war murrend durch das Brombeergeflecht im Unterholz dem nächsten zu fällenden Baum entgegen. Morgen würde er dann sein heutiges Tagwerk, bisher sechzehn Bäume, mit dem Gaul über den kaum befestigten Waldweg ins Forsthaus bringen, um es dann zurechtzusägen. Da jetzt  schon langsam der Abend näher rückte und das goldene Laub des Waldes in ebenso goldenes Licht versetzte, hoffte er, zumindest noch einen weiteren Baum zu fällen. Kaum angelangt am markierten, sozusagen zum Tode besiegelten Kandidaten, zog er seine metallen glänzende Axt hervor und begann sein Werk. „Na, du wirst noch, bis es dunkel wird“, brummte er in sich hinein, während er mit seinen kräftig-groben Händen die Axt umgriffen zu tiefen Schlägen ausholte. Es war bloße Routine für Immanuel und, obwohl ihm der Schweiß im Gesichte stand,  kam er gut voran, sodass er schon kurze Zeit später in seinem knarrigen Bass zur Warnung möglicherweise hierher verirrter Wanderer  „Baum fällt!“ ausrief. Dann trat er gekonnt gegen eine bestimmte Stelle des angeschlagenen Baumes – und sie Sache war nach einem kurzen Krachen erledigt.

Während er von dem Stamm ihm zu Füßen die größeren Seitenäste abschlug, bemerkte er, dass nicht nur das Gold der untergehenden Sonne allmählich einem fahlen Dämmerlicht wich, sondern dass auch der im Laub spielende Wind in immer stärkeren Böhen aufbrauste. „Ich hab’s ja gleich“, murmelte er, wie wenn das Anschwellen der Naturkräfte ihn zum Feierabend ermahnt hätte. In der Tat war der gefällte Baum nach wenigen Axtschlägen zum morgigen Abtransport bereit und so konnte Immanuel den Heimweg antreten. Ein paar Schritte musste er durch das stachelige Unterholz, dessen Schatten schon verblassten, stapfen, dann war er auf dem erdigen Waldweg, der hin zur Forsthütte und auch weiter noch bis hinunter ins Dorf führte. „Jetzt hab‘ ich die Lampe nicht mitgenommen“, dachte er sich, denn mittlerweile wäre ein wenig Beleuchtung auf dem düsteren Waldweg durchaus angebracht gewesen. Aber wozu überhaupt? Immanuel wäre der letzte gewesen, der sich in seinem Schachtholz verlaufen würde. Nur lästig war es, durch das Dunkel zu stapfen, genauso lästig, wie der Wind, der ihm kräftig Blätter und Staub ins Gesicht bließ. Er brummelte nur: „Wie schnell man doch die Stimmung ändern kann.“

Durch das Brausen des Windes, durch das wehende Rauschen der Bäume, drangen nun auch aus der Ferne des Dorfes die Glocken zum Abendgebet. Sie ließen, was längst unübersehbar war, nämlich dass die Nacht angebrochen war, auch hörbar werden. Missmutig wegen der Dunkelheit, wegen der kühl wehenden Windböen, erschöpft und verschwitzt von der harten Arbeit schloss Immanuel die hölzerne Tür zur Forsthütte auf. Drinnen war es ebenso duster und der Wind trug, bevor er die Türe schloss, einen Schwarm Laub hinein. „Wieder einen Tag geschafft.“, sagte er sich und legte mit seinen knorrigen Hängen die Axt und seine weiteren Utensilien ab, dann hängte er seinen schweren Mantel auf. Von draußen trug der Wind noch einen Fetzen Glockengeläut bis in die Hütte. Immanuel saß schon an seinem robust-hölzernen Tisch und entzündete das kleine Öllämpchen in dessen Mitte. Auf einmal ergriff ihn Wehmut. Worauf sollte er denn hoffen?

Wochenende in Wien, 11. März 2012

Sonntag, 11. März 2012:
Um zwölf werden wir wach. Ich geh ins Bad (damit wenigstens irgendeiner die Initiative ergreift, wie Niklas später meint). Man frühstückt dann Zigaretten. Angeblich fühlt sich Magi von mir durch die Glastür beobachtet. Sie ist aber schon angezogen. Niklas und ich machen „Synchron-Luftmatratzen-ausatmen-lassen“, das in einen Wettbewerb entartet. Die Situation eskaliert schon wieder in Diskussionen, wir müssen alle lachen. Der Plan ist, in einem Kaffeehaus frühstücken zu gehen. Caro, Niklas und ich brechen geführt von Jo auf. Nach der obligatorischen Zigarettenpause fahren wir mit der U-Bahn zum Stephansplatz. So beidruckend ist der Steffel gar nicht. Wir gehen durch die Wiener Altstadt (Singerstraße usw.) und sehen uns von außen die Hofburg, die Hofreitschule und die Spiegelgasse an, ein schöner Rundweg. Man darf nämlich als Angehöriger von Jos Familie nicht zweimal denselben Weg gehen. Ganz schön edel, was hier alles in den Läden angeboten wird. Die Leute sagen hier, wenn sie jemanden aus Versehen anstoßen, „Gestatten“. Wir erreichen unser Ziel, das Café Prückel. Drinnen liegt der Rauch schwer in der Luft, das Interieur scheint aus den 60ern zu sein. In einer Theke wird Torte angeboten. Am Nachbartisch sitzt ein Literat in Cordhose. Auch sonst sind hier bemerkentswerte Menschen, vor allem einfach schöne, junge, lebensfrohe, authentisch-modische Menschen. Das ist Wien. Während wir vier Wiener Melange trinken, geht es um Düfte, Lebensgeschichten, Nachtgeschichten und Soziologisches. Die große Uhr an der Wand verwandelt das Kaffeehaus in meinen Augen in sowas wie eine Bahnhofshalle. An einer anderen Wand steht: „Buchstaben sind Nomaden. Ihr Tempel ist das Zelt.“ Darunter sitzt der Literat. Wir essen Topfen- statt Apfelstrudel und trinken – wie man hier sagt – Himbeer-Kracherl und Apfelsaft gespritzt. Es geht dann wieder zum Steffel, wo wir die anderen zur weiteren Stadtbesichtigung erwarten. Auf dem Weg entbrennt eine hitzige Diskussion über den Widerspruch von Emotionalität und Rationalität. Niklas hält sich ein wenig aus der Diskussion heraus, Caro und vor allem Jo sind der Meinung, dass man – wenn man einmal die Ursache für Gefühle verstanden hat, wenn man also weiß, warum man dieses oder jenes fühlt – nicht mehr dieses oder jenes fühlen kann, sondern nur noch das Gefühl denken kann. Ich beharre angeregt auf meiner Position, dass man den einen (von vielen) naturwissenschaftichen Aspekt der Gefühle auch wieder verdrängen wird und sich den Gefühlen auch wieder hingeben kann, wozu es vielleicht ein wenig Übung bedarf. Vor allem geht es mir aber darum, ein bisschen zu provozieren und intellektuelle Verwirrung hervorzurufen. Soviel also zum intellektuellen Hahnenkampf. Die anderen sind de facto nur Arni, der uns kauend mit einem Cheeseburger in der Hand begegenet. Jo verabschiedet sich und Niklas und ich bedanken uns noch einmal (in Erinnerung an den Wink mit dem Zaunpfahl im Kaffeehaus, dass Undankbarkeit einer Todsünde gleichkäme). Wir Übriggeblieben gehen in den Stephansdom hinein, wo ich mir trotz rationaler Widerstrebungen ein paar besinnliche Minuten gönne. Die geschäftig-neugierige Stimmung der Besucher dort lädt aber nicht gerade dazu ein, genauso wenig wie Caros Ausführungen über ihre Umbaupläne – der Dom sei perfekt geeignet für den Gothik-Kirchen-Nachtclub, den sie mit Magi eröffnen will. Der Plural von Triptychon ist übrigens Triptychoi. Anschließend fahren wir mit der U-Bahn zum Schwedenplatz. Dort kommt man nämlich an die Donau und Niklas will die Wiener Donau unbedingt mit der in Regensburg vergleichen. Sonst gibt es hier ein futuristisch-gläsernes Gebäude zu bestaunen – das wars. Wir fahren mit der U-Bahn weiter zur Neubaugasse und gehen in Siffis Wohnung. Die liegt kränkelnd in eine Decke eingewickelt auf der Couch – es läuft galileo oder taff oder sonstwas. Sie hat noch einen Kater, es ging gestern bei ihnen nämlich nochmal bis um sieben weiter mit Wodka pur. Wir sammeln uns andächtig-mitleidsvoll ums Krankenbett. Vanessa wird über die Abfahrpläne informiert – in einer Stunde, also um sieben sind wir weg. Wollten wir nicht um sechs bei Magi abfahren? Caro, Arni, Niklas und ich gehen wie vorher ausgemacht ins Europa – die schwarze Kellnerin war heute morgen um fünf auch schon da. Caro und Niklas müssen rauchen. Es nervt. Niklas bestellt aufdringlich. Wir essen die empfohlenen Club-Sandwiches – mit Hähnchenfleisch und viel Curry-Sauce. Niklas bestellt sich dazu intuitiv ein Bier, was ich überhaupt nicht verstehen kann. Caro meint darauf, dass aufgrund unangenehmer Erlebnisse allein der Geruch von Tequila bei ihr Breichreiz hervorrufe. Beim Riechen an einer Kiwi hingegen weiß sie gleichzeitig schon immer ganz genau, wie die Kiwi schmeckt. Bei der nächsten Rauchpause (oder war es Toilettenpause ?) erzählt Arni von der Mensa in München am Sendlinger Tor. Als Caro und Niklas zurückkommen und unser Männergespäch („über Sex!“) belauschen, weckt das „nicht gleich drankommen“ (in der Mensa) falsche Assoziationen. Wir zahlen beim Kellner, einem bärtigen Hippie, um die vierzig. So muss man älter werden. Niklas hatte ein Sandwich, Arni ein, ist ja klar, meint der Kellner. Ich lass mir den Witz nicht nehmen und dränge mich vor Caro. Ich hatte zwei Clubsandwiches, haha. Nach dem Essen wird übrigens geraucht oder tausend Schritte getan. Hast du beides nicht zur Hand. Oben in der nahegelegenen Wohnung ist Siffi wieder auf den Beinen, dafür pennt Vanessa, die mit uns nach Landshut mitfahren soll. Ich übernehme die undankbare Aufgabe, sie zu erwecken. Die nächste Runde Kippen ist in der Küche. Auf der Mikrowelle liegt eine Kiwi, die löst bei Caro ein derartiges Lachen aus, dass sie fast bis zum Lachorgasmus gekommen wäre. Köstlich. Wir schaffen es schließlich doch, den Aufbruch einzuleiten. Niklas und ich führen mal wieder eine Parallelunterhaltung. Man sollte sich aber eigentlich – weil man die Leute ja ohnehin noch nicht so gut kennt – einfach ums Einklinken bemühen. Welch Erkenntnis. Wir bedanken uns für die tolle Zeit. Unten vermisst Caro ihre Kippen, die werden schnell noch geholt, bevor es per U-Bahn zum Praterstern geht. Die zweite U-Bahn, mit der wir fahren, lässt in sich warten. Im U-Bahnhof kaufen wir nochmal Energy-Drinks ein. Ich wollte neben einem Snack und Getränken eine Banane kaufen, in Österreich wird Obst aber nicht an der Kassa abgewogen. Die Warterei zum Zahlen hat ohnhehin schon lange genug gedauert. Es geht wieder Richtung Magis Wohnung unter Tröpfelregen. Das Wort Kiwi erregt nochmal Gelächter bei Caro. Sie will das Auto übrigens nicht zum Gepäckeinladen vorfahren, auf Maggis Hinweis oben in der Wohnung dann aufeinmal schon. Vanessa trinkt das ihr angebotene letzte Bier, war sogar ein Augustiner. Einfach ungeniert. Jo, der sich nach meinem Leben erkundigt hat, wie irgendwer gesagt hat, findet „Vanitas“ einen passenden Namen für Vanessa. Die Grimmigblickende ist nebenbei die Älteste in der Runde. Was Vanitas denn gleich nochmal bedeute, frage ich, gleichzeitig irgendwas mit „Leere“ und eine böse Fortführung dieses Witzes ins Explizite im Kopf. „Vergänglichkeit.“, sagt Jo. Der war böse. Wir bedanken uns auch jetzt noch mal herzlich und verabschieden uns – unbewusst – mit „Bis bald!“. Nach der letzten Runde Kippen und dem Empfang der von oben herab gesandten Brechtüten für alle Fälle sitzen Caro als Fahrerin und Niklas vorne, während Vanessa, Arni und ich uns hinten hineinschlichten. Es geht los. Ich versuche mir meine Nervosität auf dem mittleren Sitzplatz, auf dem man alles sieht, durch meinen Snack zu nehmen. Der ist überraschend asiatisch-scharf. Vanessa kann im Gegensatz zu mir meine Wasserflasche öffnen, sie wird nur wenig angespritzt. Wir sind – trotz funktionsunfähigem Navigationssystem – auf der Ausfahrstraße. Das Handy klingelt, wir haben Magis Luftmatratzen vergessen. Das „Bis bald!“ erfüllt seine fatal vorweggenommene Bestimmung und so holen wir das Vergessene an der Wohung ab. Um sechs wollten wir los, jetzt ist es halb elf. Arni mag handelt von Caro den Umweg über Ergoldsbach heraus, er kann unmöglich um zwei Uhr nachts abgeholt werden. Eine kleine Rauchpause später sind wir schon wieder unterwegs, auch das Navigationssystem beehrt uns jetzt mit Richtungs- und Tempolimit-Hinweisen. Die Fahrt ist wie hinwärts von einigen Rauch-, Tank-, Klo- und Esspausen durchsetzt. Vani trinkt nochmal ein Bier und steckt Niklas damit an. Sie kennt übrigens meine Schwester über den RFL. Arni tut genauso wie mir der rechte des hinteren Teils weh, es ist schon wirklich eng. Irgendwann verfahren wir uns ganz schön, nur nebenbei. An der Grenze stimme ich die Nationalhymne an. Ich darf die zweite Hälfte der Rückfahrt sitzfleischschonenderweise Beifahrer sein, während Vanessa in die Mitte gewandert ihre Flanken von Niklas und Arni gewärmt bekommt. Auf einmal müssen wir schon raus, es geht nach Ergoldsbach. Ein tiefer Sturz vom Stephansplatz in die niederbayrische Pampa! Bei Arnis Zuhause regeln wir schnell das Finanzielle und fahren dann zu viert weiter nach Landshut. Wie klein die Häuser da aussehen, wie provinziell und unbedeutend… Wie auch sonst zu solchen Uhrzeiten (3 Uhr) machen wir Zwischenstation an der OMV-Tankstelle, um Proviant zu kaufen. (Vanessa konnte leider trotz mehrmaliger Erwähnung keinen McDonalds-Halt erreichen.) Bei der Fahrt nach Landshut West – ein Kilometer trennt mich noch von meinem Bett – erregt was auch immer fast einen weiteren Lach-Orgasmus bei Caro, der allerdings in ein ein ernsthaftes Verschlucken einer Erdnuss ihres Snickers mündet. Wir müssen kurzfristig halten, bis sie sich ausgehustet und -gelacht hat. War zum Glück halb so schlimm. Wir halten vorm Haus meiner Eltern. Wie spießig, die Doppelhaushälfte, die zwei BMWs in der Einfahrt… Wie in Amerika, meint Niklas. Ich nehm meine Gepäck. Das letzte mal Passivrauchen aus meiner Perspektive wird zelebriert. Das Wort Kiwi lässt uns noch mal ins Lachen verfallen. Dann verabschieden wir uns endgültig für diese Nacht, wohlwissend das eine Nachbesprechung mit Bilderaustausch ansteht. Schön wars, denke ich mir, während ich die Schmutzwäsche in den Waschkeller bringe.

Wochenende in Wien, 10. März 2012

Samstag, 10. März 2012:
Ich wache zwar schon um zehn auf, gehe den gestrigen Tag aber nochmal im Schnelldurchlauf visuell durch. Dann steh ich aus meinem Schlafsack auf und geh duschen. Das muss man hier leider mangels Duschvorhang im Sitzen erledigen. So langsam stehen auch die anderen auf. Magi hat vom vielen Rauchen, aber auch weil sie erkältet ist, eine ziemlich rauhe Kehle. Es ist schon Nachmittag, als wir Kaffee trinken und frühstücken. Die Himbeermarmelade wird uns vorenthalten, Nutella war aber ok. Die anderen halten mir meine schlechte Stimmung gestern Nacht vor, ich weiß das alles gar nicht mehr so genau. Jo erzählt von seinem Parfümkonsum, während ich nochmal die Wohnung analysiere, so wie ichs gestern schon gemacht hab. Niklas und ich kommen mal wieder ins diskutieren über Belanglosigkeiten, woraufhin Jo mich mit Sheldon Cooper vergleicht. Ich fühle mich geschmeichelt. Warum auch immer kommt eine scheinbar tiefrgründige Diskussion über den Sinn des Lebens und Lebenswege zustande. Wir verabreden uns mit Siffi und den anderen, die bei ihr gepennt haben, und machen uns dann wieder per U-Bahn auf den Weg, der dann wiederum an der Flohmarkt-Kirche vorbeiführt. Maggi bleibt daheim. Siffis Wohnung ist nicht ganz so edel wie die gestrige Party-Location, hat dafür mehr den Charme einer etwas chaotischen Künstler-WG (was sie ja auch ist). Außer Niklas, mir, Jo und Caro sind noch Rolli, Arni (der auch im Olympiazentrum wohnt, Medizin studiert und mich wegen Physik bewundert), die Misanthropin Vanessa (vom RFL), zwei hübsche Luxemburgerinnen, Domi, Max und Siffi am Start. Wir gehen zum Naschmarkt. Über einen Flohmarkt bunter Kuriosäten, der schon ziemlich osteuropäisch wirkt, kommen wir dort hin. Das Wetter war prächtig, ganz genauso wie die Häuserkulissen der Jugendstilhäuser – einfach malerisch. Am Naschmarkt reihen sich Stand an Stand mit Gemüse, eingelegten Delikatessen, Gebratenem, Süßigkeiten, Fisch, Obst und was man sich sonst noch so ins Schlaraffenlang wünscht. Es ist ziemlich eng und man stößt ständig an andere Menschen, die lieber gierig nach links und rechts in die Auslagen als auf den Weg schauen. Wir teilen uns auf zum Essenskauf, dann gehen wir gemeinsam in den Rainbowpark, um da am Boden sitzend das Gekaufte zu verspeisen. Jo, Domi und Siffi reden ständig vom Film und Theater, Niklas, mir und Arni ist das eher fremd und deswegen verschlägt es uns in sachlichere Gespräche. Nebenan sitzt auf einer Parkpank ein bärtiger Hippie-Papa mit einem schreienden Kind im Trotzalter. Als wir über ihn reden, nickt er verständnisvoll. Die Sonne verschwindet hinter den Häusern und so gehen wir in „chilliger“ Lethargie weiter, Ziel war der Prater. Unterwegs stößt auch Magi wieder zu uns. Per U-Bahn und Fußmarsch (mein Fuß tut immer noch weh) stehen wir dann auf einmal vor den Fahrgeschäften und dem Riesenrad. Ich bin müde und brauch einen Kaffee. Siffi sieht einen Globus (Radius ca. 2m) und erzählt was vom halb-anerkannten Miniaturstaat Kugel-Mugel. Der Prater ist irgendwas zwischen ganzjährig geöffnetem Volksfest und Vergnügungspark, die Stände sind fix dort und deswegen aufwändiger gestaltet. Arni und Rolli fahren in einem abenteuerlichen Fahrgeschäft, während Magi, Caro, ich und Jo daraufhin mit der Geisterbahn Vorlieb nehmen. Ich bin zusammen mit Caro in einem Wagon und lass es mir nicht nehmen, sie kurz vor Schluss fest an der Schulter zu packen. Sie erschrickt ganz schön. Sonst war die Bahn lahm. Es wird langsam kalt und ich gerate ins Grübeln, fühle mich irgendwie nicht integriert und ein wenig überladen mit all den Eindrücken. Wir kommen an eine Go-Kart-Bahn und fahren. Zwei Halbstarke sind da irgendwie schneller. In welcher dekanten Spielwelt wir hier doch leben, denk ich mir, während der Rest schon wieder die Kippen angesteckt hat. Domi schießt Siffi was, dann fahren Jo und Maggi mit dem weltgrößten Riesenrad (sie „fliegen“ laut Ansage). Ich trinke mangels Kaffee ein eiskaltes Automaten-Cola, Niklas tut es mir gleich. Wir schlendern zurück zum Eingang (mein Fuß…). Caro kauft noch geschmacklose Postkarten, ein Straßensaxofonist weckt dagegen in Domi die Assoziation einer Russland-Doku. Wir trennen uns nach Schlafplatz auf, ich bin also nur noch mit Magi, Niklas, Caro und Jo unterwegs. Während der seine Körperbutter kauft und Magi und Caro in der Apotheke sind, besorgen Niklas und ich wie gewünscht dreilagiges Klopapier, das Niklas zahlt und ich trage. Zurück in der Wohnung besinnen wir uns zu klassischer Musik, die Caro auf ihrem MP3-Player abspielt, während sie an meiner Seite einnnickt. Niklas hat sich auch eingeklinkt. Jo muss weg. Niklas duscht, Magi kocht Nudeln mit Lachs-Sahne-Soße (nicht so viel Salz ins Nudelwasser…). Das Essen war gut und es war einfach schön, zusammen zu sitzen. Danach hatte ich Durst. Und Hunger auf Brot. Niklas und ich haben die ehrenvolle Aufgabe übernommen, den Geschirrspüler einzuräumen, der – wie ich erschreckend festellten musste – nicht der Ofen ist, aber wir konnten auch dieses Problem erfolgreich meistern. Wir sitzen noch länger am Tisch und Niklas und ich erzählen über unsere Abenteuer bei der Abifahrt in Barcelona, in Rom, in Landshut usw. Ich weiß gar nicht so genau was es war, unsere Unbeholfenheit, unsere komplizierte Denkweise, das Hin-und-her des erzählerischen Spielballes oder die absurden Sprünge – jedenfalls haben wir zwei Stunden nur gelacht. Magi erzählt auch was von ihrer Nahtoderfahrung, Caro von ihrer Blutsbruderschaft, schließlich hat sie Muskelkater in den Wangen. Ich fühle mich wie ein spitzbübischer Witze-Erzähler. Wir wollten eigentlich um halb zehn in einer Bar sein, um zwölf oder so kommen Niklas, Caro und ich schließlich wieder bei Siffis Wohnung an. Die andere Gruppe von tagsüber (sie trinken schon Wodka pur) schließt sich wieder an (eigentlich schließen wir uns denen an) und wir suchen eine Location. War gar nicht so einfach, was zu finden. Schließlich landen wir im Europa, kaum 20 Meter von Siffis Wohnung entfernt. In dieser Bar-Club-Lounge sitzen wir hinten in einer Sesselecke und trinken unsere Bierchen. Das Mädchen an der Bar, eine schwarze mit den typisch-österreichischen Augen, fragt meine Bestellung „‚N Bier!“ mit „Eines?“ nach. Mit einer ziemlich höfisch-edlen Betonung. Wir sitzen in der Ecke oder tanzen. Die anderen sind ziemlich in Stimmung, insbesondere Siffi. Ich tausche ein paar verstohlene Blicke mit der hübschen Luxemburgerin aus. Ich hätte Chancen. Wirkt aber so, als käm mir ein Affe zuvor. Außerdem spendiert Vanessa Bier, daraufhin werde ich müde, deprimiert bin ich ja eh schon. Gut drauf sein, weil man gut drauf sein muss, geht eben nicht. Tanzen will mein Fuß nach dem Stadtmarsch heute nicht mehr. Wollte noch Fotos von den Tanzenden machen, lass es dann aber… Schade, dass es heute mit mir hier nichts mehr wird. Das Flair der Alternativen, der Hippies in in der Location taugt mir eigentlich. Ich mach die Augen zu und alles ist hell und absurd. Ich schlafe ein. Der DJ hatte keine Lust mehr und hat sich verabschiedet, sagt mir Niklas, als ich erholt mit den anderen die Location verlasse. Ist schon irgendwas nach fünf. Ich hab Lust auf Frühstück und kann den anderen dank Nickerchen die Grantelei ersparen. Rolli findet seinen Schlüssel nicht, irgendwer in Siffis Wohnung wird wachgeklingelt. Caro, Niklas und ich fahren mit der U-Bahn heim. Die Vögel zwitschern schon. Als ein Auto hupt und ich mich über das Zwitschern mit einem „Argh!“ beschwere, fragt Niklas, ob ich zurückhupe. Trotz angeschaltetem Licht wacht in der Wohnung keiner auf und wir pennen weg (ich wie gewöhlich mit Ohropax und Schlafbrille).

Wochenende in Wien, 9. März 2012

Freitag, 9. März 2012:


Magi, die Fahrerin Caro und Niklas sind da. Wir laden ein und fahren los nach Wien. Erst wars für mich noch ziemlich ungewohnt in der neuen sozialen Umgebung und ich musste erst zu mir finden. Caro hatte gleich mal Probleme mit dem Losfahren, das Auto ist ein paar Mal abgestorben. Wir fuhren über Deggendorf, Passau und Linz über die Autobahn in die österreichische Hauptstadt. Zwischendurch machten wir immer wieder Pausen – vor allem zum Rauchen. In Österreich diskutierten wir auf der Fahrt erst unsere beruflichen Zukunftsträume (Caro wird Safetycar-Fahrerin, ich erfinde eine Zeitmaschine, Magi wird nach ihrem Kunstgeschichte-Studium Taxi-Fahrerin und Niklas übernimmt die Weltherrschaft in den vereinten Nationen). Dann driften wir Richtung Theologie und Philosophie ab und diskutieren über den Widerstreit von Religion und Neurowissenschaften oder irgendwie sowas (Anlass war wohl der heilige Pölten); danach spielen wir sowas wie „keine englischen Wörter hernehmen“. Irgendwie kommen wir schließlich in Wien an – eine Häuser- und Straßenkulisse, die in ihrer Größe eher Berlin ähnelt. Übernachten werden wir in Magis Wohnung im 2. Bezirk nahe der U-Bahn-Station Praterstern, wo sie zusammen mit Jo, dem Künstler, wohnt. Es ist schon nach Mitternacht, bis wir uns dann auf den Weg zu Siffis Geburtsparty machen. Wir fahren per U-Bahn (Jo erzählt von seinen vielzahligen Dates z. B. mit dem Polizeipräsidenten), steigen aber leider vier Stationen zu früh aus. Müssen dann also die komplette Maria-Hilfstraße bis zum Westbahnhof zu Fuß gehen. Ich bin die Schuhe nicht gewohnt und schon tut mir mein linker Fuß weh. Als wir an einer Raben-Attrappe vorbeikommen, rede ich (noch komplett rational und nicht zu meinen Gefühlen mich bekennend) mit Niklas darüber, wie absurd die Situation gerade ist: wir sind auf einmal in einer ganz anderen Großstadt, lassen uns von Jo, der kindlichen Kaiserin, und seiner Mutter Magi herumführen und lassen uns durch Caros herzhaft-schrilles Lachen anstecken. Für uns hat die Geschichte bisher das Flair vom fatalen Anfang eines Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Films – zwei abenteuerlustige und wortgewandte Nichtsnutze erkunden ein fernes Land. Nach langem Fußmarsch sind wir endlich bei Hausnummer 167, wo die Party in der Wohnung der zweiten Gastgebers (Paul) stattfindet. Die ist einfach nur edel, eine richtig höfische Jugendstil-Wohnung mit Holzboden und hohen Decken, innen aber jugendlich-modern mit Ikea-Möbeln und neuer Unterhaltungstechnik ausgestattet. Niklas meint, es wäre wie in einem amerikanischen Film – und genau so war es. Die Party war schon voll im Gange in den verschiedenen Räumen der Party, die Gäste – Luxemburger, Österreicher, Landshuter – waren schon ziemlich angetrunken und es gab fast kein Bier mir. Stefan war hart auf der Suhe für die Nacht. Magi, Jo und ich lassen Niklas und Caro allein (ich versteh die Kuppelei erst gar nicht) und unterhalten uns im Badezimmer mit einem Gmundener. Irgendwann trinken Caro und Niklas vor der Wohnung im dazu ernannten Raucherbereich Sekt aus der Müslischale, während ich Bacardi-Cola aus einer Tasse trinke und mich veratend mich über Stefans Liason auslasse. Jo und Magi, Domi (satt von seinem Döner), ein Max von Pro7 aus München, Siffi (peinlich beschenkt von Niklas und mir) sind auch dabei und wir machen Witze über den Jungen mit dem Topf-Schnitt, an den sich Stefan ranmacht. Niklas trifft auch überraschenderweise zwei Zivi-Kollegen aus Landshut, Arni und Torsten aka Rolli, der auch in Wien nämlich Psychologie studiert. Auf einmal sind auch die zwei Ihl-Zwillinge, bekannt noch aus meiner Kollegstufenzeit, am Start. Wir landen irgendwann im Schlafzimmer im Bett und schauen einem der Zwillinge bei seinem geglückten Annäherungsversuch an eine wohl 17-jährige zu. Es ist schon nach vier, als wir dann uns verabschieden und per Großraumtaxi zu Magis Wohnung zurückfahren. Während der Fahrt war ich ziemlich grantig (ich war müde, angetrunken und mein Fuß tat mir weh) und debattierte Sinnloses über die Absurdität der Sitation, die drohende Gefahr die Maße sprengender Fahrtkosten und meinem Erliegen gegenüber Magis rhetorischen Fähigkeiten. Jo gibt mir den Namen Motzi. Schließlich schlafe ich, unbeliebt wie ich micht gemacht habe, herzhaft lachend über einfach alles, in meinem Schlafsack ein.

Zweimal Thomas Mann

Wer Thomas Mann gelesen hat, der kennt sie ohnehin schon: die zwei Stimmen des Literatur-Nobelpreisträgers. Da ist der gestrenge und präzise Kritiker, der am Polytechnikum studiert hat. Und auf der anderen Seite – um nicht zu sagen am anderen Ufer – ist der verspielt-schelmenhafte Künstler-Thomas Mann, der das Geschehen der Welt mit verschmitzter Ironie beantwortet.